Vor dem Schreiben: Wer liest das überhaupt?
Der häufigste Texterfehler ist, über sich selbst zu schreiben statt über die Leserin. Bevor du loslegst, beantworte drei Fragen: Wer ist deine Zielgruppe, in welcher Situation kommt sie auf deine Seite und welche Frage will sie beantwortet haben? Wenn du auf eine konkrete Person mit konkretem Problem schreibst, wird der Text automatisch klarer.
Hilfreich: Stell dir eine echte ehemalige Kundin vor und schreib so, als säße sie dir gegenüber. Das ist kein Marketing-Trick, sondern verhindert, dass du in Agentur-Sprache abrutschst.
Die Struktur entscheidet vor dem ersten Satz
Eine gute Website-Seite folgt einer einfachen Struktur:
- Versprechen / Hauptbotschaft (H1 + Intro): In drei Zeilen klar machen, worum es geht und was die Person davon hat.
- Vertrauensbeweis (kurze Sektion): Wer du bist, warum du das kannst – Referenzen, Zahlen, Belege.
- Konkretes Angebot (H2-Block): Was du anbietest, wie das abläuft, was es kostet oder bei wem es passt.
- Häufige Einwände (FAQ-Sektion): Antworten auf das, was potenzielle Kund:innen wirklich fragen.
- Klare Handlung (CTA): Was soll die Person als nächstes tun? Anrufen, Formular ausfüllen, Termin buchen.
Diese Reihenfolge funktioniert für fast jede Leistungsseite. Wenn du sie hast, ist Schreiben kein leeres-Blatt-Problem mehr.
Ton finden: schreib, wie du sprichst
Lies deinen Text laut vor. Klingen Sätze geschwollen, kürze sie. Sagst du im Gespräch eher „Ich helfe dir dabei…" als „Wir unterstützen Sie bei…"? Dann bleib bei der ersten Variante. Authentizität schlägt Korrektheit – besonders bei Selbstständigen, deren Persönlichkeit Teil des Angebots ist.
Drei Routinen, die Texte sofort besser machen:
- Streich Füllwörter (eigentlich, sozusagen, gerade, halt, einfach – wenn sie keine Funktion haben).
- Zerlege lange Sätze. Ein Punkt nach 12–18 Wörtern macht Texte lesbarer.
- Ersetze Hauptwörter durch Verben. „Die Erstellung der Konzeption…" → „Ich erstelle dein Konzept…"
SEO-Texte ohne SEO-Geschmäckle
Suchmaschinen-Optimierung im Text bedeutet nicht, Keywords zu stopfen. Es bedeutet:
- Ein klar definiertes Hauptkeyword pro Seite (z. B. „Webdesign Dresden") in Title, H1 und im ersten Absatz.
- Verwandte Begriffe und Fragen aus dem gleichen Themenfeld – die holst du dir aus der Google-Suche selbst: „Nutzer fragen auch", verwandte Suchen, Autocomplete.
- H2- und H3-Überschriften, die echte Suchanfragen aufgreifen, z. B. „Was kostet ein Webdesign in Dresden?"
- Interne Verlinkung zu thematisch passenden Seiten – das hilft sowohl Lesern als auch Google.
Mehr zu Sichtbarkeit findest du im Beitrag Meine Website wird nicht gefunden – woran liegt's?
KI beim Texten – aber richtig
ChatGPT, Claude und Co. sind starke Tools, wenn du sie als Sparringspartner nutzt. Drei produktive Anwendungen:
- Struktur prüfen: Lass die KI deinen Entwurf bewerten – ist die Hierarchie klar, fehlt eine Sektion?
- Schärfen statt schreiben: Gib ihr deinen Rohtext und bitte um eine 30 % kürzere Version, ohne den Sinn zu verändern.
- Synonyme und Variationen: Wenn du dich beim Schreiben wiederholst, hilft KI bei Alternativen.
Was nicht funktioniert: Komplett-KI-generierte Seiten. Sie klingen austauschbar, holprig und Google erkennt sie zunehmend zuverlässig. Wie ich KI selbst im Design- und Schreibprozess nutze, beschreibe ich auf der Seite zum KI-Einsatz im Design-Workflow.
Letzter Schritt: Lesen lassen
Gib deine Texte einer Person, die zur Zielgruppe gehört – nicht Designer, nicht SEO-Profi, sondern jemand wie deine Kund:innen. Frage: Verstehst du in 10 Sekunden, was ich anbiete? Würdest du anfragen? Was bleibt unklar? Diese drei Fragen liefern meist mehr Verbesserungspotenzial als jedes SEO-Tool.
