Die Grundfrage: Lohnt es sich überhaupt?
Eine zweisprachige Website verdoppelt fast jeden Pflegeaufwand: Texte schreiben, Inhalte aktualisieren, Blogposts pflegen, SEO optimieren. Bevor du den Schritt machst, beantworte drei Fragen:
- Hast du tatsächlich internationale Anfragen oder erwartest sie konkret?
- Werden in deiner Branche englische Suchbegriffe verwendet (Tech, Design, Wissenschaft)?
- Hast du die Kapazität, die zweite Sprache dauerhaft auf gleichem Niveau zu pflegen?
Wenn die Antwort dreimal Ja ist, lohnt sich der Aufwand. Wenn nur eines davon Ja ist, ist eine kurze englische Landing-Page mit Verweis auf deinen Service oft die bessere Lösung – ohne den Pflegeaufwand einer kompletten zweiten Sprachversion.
Drei technische Varianten – und welche du wählen solltest
Subfolder: beispiel.de/en
Die englische Version liegt unter einer Unterverzeichnis-URL. Vorteile: Erbt die SEO-Autorität der Hauptdomain, einfache technische Umsetzung, alle Sprachen auf einer Plattform. Für die meisten Fälle die richtige Wahl.
Subdomain: en.beispiel.de
Die englische Version auf einer Subdomain. Wird von Google teils als eigene Seite behandelt – das heißt, du fängst mit der Autorität bei Null an. Nur sinnvoll, wenn die Inhalte technisch wirklich getrennt liegen müssen.
Eigene Domain: beispiel.com
Eine separate Domain für jeden Markt. Macht Sinn, wenn du in zwei Ländern stark unterschiedliche Marken oder Angebote hast. Für eine kleine Selbstständige in Dresden Overkill.
Sprachumschalter: dezent, klar, am richtigen Ort
Der Sprachumschalter gehört in den Header, nicht in den Footer. Verwende klare Sprachnamen („Deutsch / English") statt nur Flaggen – Flaggen sind irreführend, weil viele Sprachen in mehreren Ländern gesprochen werden. Speichere die Sprachwahl in einem Cookie, damit der Besucher beim nächsten Besuch nicht erneut wählen muss.
hreflang: das eine technische Detail, das du wissen musst
hreflang ist ein HTML-Attribut, das Google sagt, welche Sprachversion zu welcher Zielgruppe gehört. In jedem Seitenkopf brauchst du eine Liste aller Sprachvarianten dieser Seite. Damit verhinderst du:
- Dass Google deutsche Besucher auf die englische Seite leitet.
- Dass beide Sprachversionen als Duplicate Content behandelt werden.
- Dass deine Rankings zwischen beiden Versionen wandern.
Bei WordPress übernehmen das Plugins wie WPML oder Polylang. Bei individuellen Websites baust du es einmal sauber ein – und gut.
Inhalt: übersetzen reicht nicht
Eine englische Version sollte nicht nur übersetzt sein, sondern auch für den englischsprachigen Markt passen. Drei Dinge ändern sich oft:
- Tonalität: Englischsprachige Märkte sind oft direkter, klare Versprechen statt deutscher Vorsicht.
- Keywords: Wörtliche Übersetzungen treffen oft nicht den tatsächlichen Suchbegriff. „Webentwicklung" wird im Englischen je nach Kontext zu „web development", „custom websites", „web app development".
- Beispiele und Referenzen: Lokale Bezüge („in Sachsen", „nach DSGVO") müssen für ein internationales Publikum angepasst oder erklärt werden.
Pflege-Realität
Jeder neue Blogbeitrag, jede Preisänderung, jede aktualisierte Leistungsbeschreibung muss in beide Sprachen. Wenn die englische Version drei Monate zurückliegt, wirkt sie wie eine Karteileiche. Plane realistisch: Halte die englische Version eher reduziert als überambitioniert.
Pragmatischer Ansatz: Hauptseiten (Start, Leistungen, Kontakt, Über mich) immer aktuell halten, Blog nur in einer Sprache pflegen und das transparent kommunizieren („Blog only available in German").
Wann eine englische Mini-Seite reicht
Wenn du nur gelegentlich englische Anfragen erwartest, reicht oft eine einzelne englische Landing-Page mit den wichtigsten Infos: Wer du bist, was du anbietest, wie man dich erreicht. Verlinke sie dezent im Footer oder im Header („EN") und du bist erreichbar – ohne die doppelte Pflege einer kompletten zweisprachigen Website. Wenn du dafür ohnehin einen schlanken Auftritt überlegst, schau dir die Seite zum Onepager in Dresden an.
