Die drei Werte, um die es geht
Google misst drei Aspekte des Nutzungserlebnisses:
- LCP – Largest Contentful Paint: Wie schnell wird der größte sichtbare Inhalt (meist das Headerbild) geladen? Ziel: unter 2,5 Sekunden.
- INP – Interaction to Next Paint: Wie schnell reagiert die Seite, wenn jemand klickt oder tippt? Ziel: unter 200 Millisekunden.
- CLS – Cumulative Layout Shift: Wie stabil ist das Layout beim Laden? Springt der Text durch nachladende Bilder oder Werbung? Ziel: unter 0,1.
INP hat 2024 den alten Wert FID (First Input Delay) ersetzt – falls du noch alte Anleitungen liest: FID ist Geschichte.
Wo du die Werte selbst nachschauen kannst
Zwei Tools, beide kostenlos:
- PageSpeed Insights (pagespeed.web.dev): URL eingeben, Werte für Mobile und Desktop bekommen. Das Tool zeigt auch konkrete Verbesserungsvorschläge.
- Google Search Console: Unter „Core Web Vitals" siehst du Werte über deine gesamte Domain hinweg – und kannst tracken, wie sich Optimierungen auswirken.
Wichtig: PageSpeed Insights zeigt zwei Datentypen – synthetische Tests (Lab Data) und reale Nutzerdaten (Field Data). Für SEO zählen die echten Nutzerdaten. Wenn dein Lab-Wert top ist, der Field-Wert aber schlecht, hast du in der Realität ein Problem.
Die häufigsten Performance-Killer
Auf 9 von 10 kleinen Websites finde ich dieselben Bremsen:
- Riesige, nicht optimierte Bilder: Ein 3.000-Pixel-Headerbild im JPG-Format auf einer Seite, die maximal 1.600 Pixel breit dargestellt wird – sofort 70 % Datenverschwendung.
- Externe Schriften: Mehrere Google-Fonts-Varianten, die einzeln nachgeladen werden – plus Datenschutz-Problem.
- Tracking-Skripte: Google Analytics, Facebook Pixel, Cookie-Banner – jedes blockiert das Rendering ein bisschen länger.
- Veraltete Themes und Plugins: Vor allem bei WordPress – jedes ungenutzte Plugin verlängert die Ladezeit messbar.
- Billiges Shared Hosting: Wenn der Server selbst langsam antwortet, sind alle Optimierungen darüber sinnlos.
Drei Hebel mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung
Bilder optimieren
Stell sicher, dass alle Bilder im WebP-Format ausgeliefert werden – das spart oft 50–80 % Dateigröße bei gleicher Qualität. Setze sinnvolle width- und height-Attribute, damit das Layout während des Ladens nicht springt (CLS-Problem). Und lade Bilder unterhalb des Faltbereichs lazy, damit sie erst geladen werden, wenn sie gebraucht werden. Mehr dazu im Beitrag Bilder für Websites richtig vorbereiten.
Schriften lokal einbinden
Statt Google Fonts über das CDN zu laden, lade die Schriftdateien einmal herunter und binde sie lokal ein. Das spart eine externe Verbindung pro Schrift und ist nebenbei DSGVO-konform.
Skripte aufräumen
Brauchst du wirklich Google Analytics und Hotjar und einen Cookie-Banner? Jedes externe Skript kostet Performance und Datenschutz. Frag bei jedem: Was ist der konkrete Nutzen? Wenn die Antwort „ist halt drin" ist, raus damit.
Was bei WordPress vs. Next.js / Kirby anders ist
WordPress lässt sich performant betreiben – aber es braucht Disziplin. Schlankes Theme, wenige Plugins, gutes Caching-Plugin (z. B. WP Rocket), modernes Hosting. Wer auf Plugin-Bingo setzt, verliert.
Static Sites (Next.js, Kirby mit Static Export) sind von Haus aus deutlich schneller, weil keine Datenbankabfrage pro Seite passiert. Wenn Performance hohe Priorität hat und das Projekt es zulässt, lohnt sich der Wechsel. Mehr zur Systemwahl im Beitrag WordPress vs. eigenes CMS.
Realistische Erwartung
Du musst nicht überall 100/100 erreichen. Wenn alle drei Core Web Vitals im grünen Bereich sind, ist das technisch gesund. Der Unterschied zwischen „90/100" und „98/100" ist für Besucher und Google kaum spürbar – aber der Aufwand kann erheblich sein. Optimiere mit Augenmaß.
