Sechs Stellschrauben für eine konsistente KI-Bildwelt
Warum die meisten KI-Bilder auf Websites nicht zusammenpassen
Wer einmal versucht hat, allein mit Midjourney oder ChatGPT die Bilder für eine ganze Website zu erzeugen, kennt das Problem: Das Hero-Bild ist fotorealistisch, das Themenbild auf der Leistungsseite wirkt plötzlich illustrativ, der Hintergrund auf „Über mich" ist ein 3D-Render. Einzeln betrachtet ist jedes Bild gelungen – nebeneinander wirkt die Seite trotzdem unruhig.
Der Grund ist immer derselbe: Es fehlt ein übergeordnetes Bildkonzept. KI-Modelle interpretieren jeden Prompt isoliert. Wenn du nicht selbst dafür sorgst, dass alle Bilder dieselbe Sprache sprechen, entscheidet das Modell jedes Mal neu – und trifft fast immer leicht andere Entscheidungen. Mehr zum grundlegenden Prompt-Aufbau findest du im Beitrag KI-Bilder richtig promten; hier geht es speziell um den Schritt davor: das Konzept für die ganze Bildwelt.
Vor dem ersten Prompt: ein Mini-Bildkonzept
Bevor du den ersten Prompt schreibst, beantworte vier Fragen in jeweils einem Satz – das ergibt dein Bildkonzept und wird später bei jedem Prompt der erste Absatz:
- Stilrichtung
Fotorealistisch, illustrativ, 3D, dokumentarisch, redaktionell? Eine Richtung, keine Mischung.
- Farbpalette
Drei bis fünf wiederkehrende Farben mit Namen, nicht Hex. Beispiel: „warmes Beige, sanftes Petrol, gebrochenes Weiß, dunkles Anthrazit".
- Lichtstimmung
Morgenlicht, weiches Studiolicht, kühles Tageslicht? Eine Stimmung über die ganze Seite hinweg.
- Bildtyp
Dokumentarisch (echte Situationen), inszeniert (gezielt aufgestellte Szenen) oder abstrakt-symbolisch. Festlegen und durchziehen.
Diese vier Sätze sind dein Stil-Anker. Sie gehören in jeden Prompt – wortwörtlich, immer wieder. Klingt repetitiv, ist aber der wirksamste Hebel für Konsistenz.
Das Referenzbild als wichtigster Trick
Die schnellste Abkürzung zu konsistenten Bildern ist ein Referenzbild. Sobald du ein Bild generiert hast, das deinem Stil entspricht, lädst du es als Stilvorlage in alle weiteren Prompts. Die Tools heißen unterschiedlich, das Prinzip ist gleich:
Midjourney
Parameter --sref <Bild-URL> für Stil oder --cref für Charakter-Konsistenz. Stärke über --sw 100 feinjustieren. Aktuell die zuverlässigste Wahl für Stilserien.
Adobe Firefly
Funktion „Stil abgleichen" – Referenzbild hochladen, Stärke per Slider einstellen, fertig. Rechtlich klar lizenziert, besonders gut für Produktbilder und Illustrationen.
ChatGPT & Gemini
Referenzbild direkt in den Chat ziehen und „im gleichen Stil wie das hochgeladene Bild, aber mit folgendem Motiv …" formulieren. Funktioniert überraschend gut – solange du im selben Chat bleibst.
Motive, die zum Inhalt der Seite passen
Stilkonsistenz ist die halbe Miete – die andere Hälfte ist Inhaltsnähe. Ein Bild auf einer Webseite ist kein Schmuckelement, sondern Teil der Argumentation. Frag dich vor jedem Bild zwei Dinge:
- Welche Aussage soll das Bild verstärken?
- Würde der Text ohne dieses Bild dasselbe vermitteln?
Wenn die zweite Antwort „ja" ist, brauchst du kein Bild – dann reicht gute Typografie und Whitespace. Wenn das Bild aber eine eigene Aussage hat – eine Stimmung, eine Szene, ein konkretes Detail – wird es zum Argument. Konkrete Alltagsszenen schlagen abstrakte Symbolbilder fast immer: Ein Notizbuch mit aufgeschlagener Seite am Morgenfenster wirkt auf einer Beratungsseite stärker als das hundertste Handshake-Foto.
Beispiel-Prompt-Struktur für eine ganze Website
So könnte ein Bild-Prompt für eine Steuerberatungs-Website aussehen, der Stil-Anker und Motiv sauber trennt:
editorial photography, warm beige and soft petrol color palette, soft morning light from window, calm and grounded mood, 35mm lens, shallow depth of field, no text, no logos.
close-up of an open notebook on a wooden desk, a fountain pen lying next to it, a ceramic coffee cup slightly out of focus in the background, top-down view.
Für das nächste Bild – etwa auf der Über-mich-Seite – tauschst du nur den Motiv-Teil aus. Der Stil-Anker bleibt wortgenau identisch. Genau dieses Vorgehen sorgt für Bildserien, die zusammen wirken, statt nur einzeln.
Wann KI-Bilder die falsche Wahl sind
So gut KI-Bilder inzwischen sind: Bei Personenfotos für die Über-mich-Seite, bei lokalen Unternehmen mit echten Räumen oder bei einem Onlineshop mit konkreten Produkten führen sie fast nie zum Ziel. Hier zahlt sich echte Fotografie aus – Vertrauen entsteht über Authentizität, nicht über Perfektion. Eine ausführliche Einordnung, wann welche Bildquelle sinnvoll ist, findest du im Beitrag Bilder für die Website: was wirklich funktioniert. Und wenn KI gestalterisch sinnvoll eingesetzt wird, lohnt sich auch ein Blick auf KI im Grafikdesign – dort geht es um den größeren Workflow rund um KI-gestützte Gestaltung.
Bildwelt als Teil des Designs denken
Eine konsistente Bildwelt entsteht nicht erst beim Prompten – sie ist Teil deines Corporate Designs. Genauso wie Logo, Typografie und Farbpalette sollte auch die Bildsprache definiert sein, bevor die erste Seite gebaut wird. Wer das im Webdesign-Prozess früh mitdenkt, spart sich später viel Nachjustieren und bekommt eine Seite, die als Ganzes wirkt – nicht als Sammlung guter Einzelelemente.
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